Es gibt sie tatsächlich. Ich musste auch lange darauf warten, bis ich die ersten echten kasachischen Cartoons zu sehen bekommen habe. Dazu verholfen hat mir ein junger französischer Künstler, der mittlerweilen zwei Jahre in Almaty lebt.

Aus den Jahren 1988 und auch etwa später stammen die Cartoons, die sie sich nun auf meinem Blog anschauen können. Der Erste heisst ‚Tanzagang‘, der Zweite ‚Dastarkhan‘ und der Dritte ‚Altaï Ulïy‘

Hier ein Still von ‚Altaï Ulïy

Wie man auf dem Film sehen kann hat die Macherin eine kasachische Tradition, das Bemalen von Lammknorpeln auf neue Weise umgesetzt. Mir gefällt auch die Musik dazu sehr gut. Gesprochen ist entweder auf Chinesisch oder einen Altaidialekt.

Der Zweite Cartoon, von dem ich einen Still gemacht habe : ‚Dastarkhan‘ Er stammt aus dem Jahr 1988 und wurde bei Kazakhfilm produziert. Die Geschichte geht um etwas vom Wichtigsten in der kasachischen Tradition – die Gastfreundschaft. Zuerst muss im Cartoon der Gast zum Bleiben überredet werden, anschliessend isst er vom Lamm nur die Nieren, deshalb muss dder Wirt alle täten, um den Gast zufrieden zu stellen.

Die beschriebenen Videos findent man im Blog ganz unten oder auf meinem YouTube Account:

Die Bauwut und Planungsenwürfe sind im vergangenen Winter zu grossen Teilen eingestellt worden. Auch viele Hochhäuser, die schon im Bau waren wurden von einem Tag auf den Anderen der Natur überlassen. Nun gibt es in Almaty jede Menge Baustellen, mit Gebäuden, bei denen schon bis zur vierten Etage gebaut wurde, dann kam die Kriese und die Baustellen wurden im Winter nicht ordnungsgemäss gegen Frost geschützt, sodass vieles rostet oder viel Substanz nicht mehr brauchbar ist.

Insgesamt muss sehr viel Geld in den Sand gesetzt worden sein, bei Spekulationen und völlig überteuerten Quadratmeterpreisen, die im Aufschwung wohl der eine oder Andere reiche Kasache gezahlt hätte. Nun tut es so gut wie keiner mehr. Und schon fertig gebaute Komplexe können nicht verkauft werden.

Es bleibt zu hoffen, dass sich auch Kasachstan in diesem Jahr von einem herben Rückschlag erholen kann!

Es gab in Kunsthäusern Künstler, die Abfall als Kunstwerke ausgestellt haben. Schade waren diese Künstler nie in Almaty. Sie hätten die ganze Stadt ausstellen können. Almatys Einwohner sind Abfallkünstler. Obwohl Bestrebungen der Stadtverwaltung, Universitäten und TV -Spots das Problem erkannt haben und versuchen dagegen vorzugehen, bleibt das Entsorgen allen nur erdenklichen Mülls auf den Strassen eine Art Volkssport. Das ist in keinster Weise ein Unterfangen, welches nur Junge betreiben. Ich habe schon viele Grossmütterchen gesehen, die leere Behälter, Flaschen, Plastikpapierchen undundund auf die Strasse geworfen haben.

Natürlich gibt es auch Kunstformen, die noch etwas fürs Gehör sind. So werfen die jungen Männer nach Mitternacht gerne leere Bierflaschen gegen Hauswände oder Müllcontainer, um die Produktion ihrer „Kunst“ auch zu hören.

Hier ein par Fotos, die ich von dieser modernen Kunstform gemacht habe, gut hier nicht auf der Strasse sondern hauptsächlich bei Müllsammelplätzen.

dsc_0011
fotos by r.wiedenmeier fotos kaufen >>     www.istockphoto.com

abf_001 abf_003 abf_010 abf_011 abf_014 abf_014_0

Es gibt neben viel Fleisch, welches das Grundnahrungsmittel jedes Kasachen ist, auch Anderes empfehlenswertes. Darunter gehört sicher auch der Kaviar oder ‚Ikra‘ auf Russisch. Ich habe kürzlich zum ersten Mal richtigen Kaviar gegessen und muss zugeben, dass das sehr geschmeckt hat. Es war aber eine sehr billige Sorte, nur etwa 1.80 Chf. Auch hier kann man in den Supermärkten frischen schwarzen Kaviar zu horrenden Preisen kaufen.

Nach dem schwarzen habe ich auch den roten Kaviar versucht und der schmeckt mir um einiges besser, als der Schwarze. Vor allem auf russischem Knäckebrot mit Butter eine gute Zwischenmahlzeit.

Das letzte Produkt aus der Gegend ist der „Schweizartschik“, frei übersetzt heisst das soviel wie „Schweizerlein“ – es handelt sich um einen kleinen runden Köse mit einem Jungen in Schweizertracht. Der Käse ist wirklich geniessbar!

Am äussersten Ende Almatys beginnt der grösste Basar der Stadt. Baracholka. Mit dem Bus wird es stetig langsamer, nicht weil das Benzin ausgegangen ist – in Kasachstan sowieso unwahrscheinlich. Nein, vielmehr weil der Verkehr solche Ausmasse angenommen hat, dass sich kein Auto, Bus oder Lastwagen vor-oder zurück bewegen kann. Es wird geflucht. Aus kasachisch, russisch, usbekisch und in allen anderen erdenklichen Sprachen, die in Zentralasien vorkommen.

Endlich aus dem Bus beginnt eine lange Wanderung durch die Kategorien : Geschirr, Teppiche, Stoffballen, Pfannen, Besteck, Hosen, Anzüge, Unterwäsche…

dsc_0074
fotos by r.wiedenmeier fotos kaufen >>     www.istockphoto.com

Der Markt ist etwa zwei Kilometer lang, doch das ist nur die Länge. Auf beiden Seiten der Hauptstrasse bilden ISO Container viele kleine Nebenwege, wo sich tausende von Menschen hindurch schlängeln. Vermutlich kauft ganz Kasachstan an diesem Basar die Schuhe, Hosen, Anzüge und Brautkleider. Insgesamt ein Grossteil. Das heisst gegen 80% der Ware kommt aus dem grossen Nachbarland China.

Nach knappen drei Stunden Baracholka ist auch ein abgehärteter Almatiner ziemlich erschöpft!

dsc_0081 dsc_0088

Am östlichen Rand Almatys liegt der Gorki-Park, einer der grösseren Stadtparks mit Aquapark, Kinderpark und einem Zoo, in welchem die Tiere ein nicht immer ganz Artgerechtes Leben führen. Was mir gefällt, am Park, das sind die sowjetischen Karusselle und ein sowjetisches Riesenrad, von dem man eine prächtige Sicht auf die umliegenden Stadtteile und die Berge hat. Auch der Teich, auf dem man Pedaloboot fahren kann ist oft nur eine dreckige Lache, bis dann im Spätfrühling das Wasser eingelassen wird. Doch auch im Sommer würde ich niemandem raten dort ein Bad zu nehmen.

dsc_0098
fotos by r.wiedenmeier fotos kaufen >>     www.istockphoto.com

dsc_0095 dsc_0100 dsc_0103

In der Nähe, wo ich wohne wird wie verrückt abgerissen. Ganze Häuserreihen, gebaut in der Sowjetunion während der verschiedenen Planungsären. Ein sehr grosser Teil in Kasachstan stammt aus der Breschnjew-Ära. Ein Argument, welches hier oft genannt wird ist die Tatsache, dass die Häuser nicht immer gut gebaut sind, darum müssen sie dem Erdboden gleichgemacht werden.

Das mag ja sein, doch eine solche Zerstörungswut muss weit wichtigere Hintergründe haben. Und dieser wichtige Grund ist die Immobilienspekulation, beziehungsweise Grundstückspekulation, die das Bild Almatys in den letzten zehn Jahren unglaublich verändert hat.

Ein Grossteil der Häuser in meiner Gegend, die jetzt dem Erdboden gleichgemacht werden oder schon wurden stehen auf sehr teurem Boden. Die Preise halten mit denen in Zürich locker mit. Die Menschen mussten aus den Häusern ausziehen, deren Boden für viel Geld verkauft wurde. Schön wäre es ja noch gewesen, wenn jetzt auf diesen riesigen Landflächen schöne Wolkenkratzer hin gebaut würden. Doch dem ist leider nicht so. Das Land wird vermutlich die nächsten Jahre mit Brennesseln überwachsen, es liegen noch ein paar Ziegelsteine herum, aber passieren wird hinter den Wellblechzäunen nichts. Der Hauptgrund darin liegt in der weltweiten Finanzkriese. Viele Projekte in Kasachstan basierten auf einer einzigen grossen Seifenblase und die ist im letzten Herbst geplatzt.

Jetzt kann ich als Fotograf diese mehr an Kunstwerke erinnernden Gebilde ablichten und abwarten, welcher Spekulant das Grundstück als nächstes kaufen wird.

dsc_0004 dsc_0007 dsc_0012 dsc_0016 dsc_0028

In meinem Lieblings-Bücherantiquariat habe ich wieder einmal eine schöne Comic-Seite gefunden, aus dem Jahr 1947.

Klicken Sie auf das Bild, um es in voller Grösse betrachten zu können

Der Frühling ist in Kasachstan von sehr kurzer Dauer. Eigentlich gibt es ihn, wenn dann höchstens zwei Wochen. Anschliessend ist hier direkt der Sommer am Zug. Das sieht man auch am Strassenrand, bei den Pflanzen. Ich habe noch ein paar Akalei aufgenommen, die überall auf den Schutthügeln, oder auch in den Gärten wachsen. Sehr schön finde ich auch immer die kleinen Obst- und Gemüsestände, die es in Almaty beinahe an jeder Strassenecke gibt. Da ist jetzt gerade Kirschen und Aprikosensaison. Wobei die noch aus Usbekistan kommen, wos noch etwas heisser ist als hier.

Aus Zentralasien kommt auch die Cannabispflanze das „Marihuana“. Überall wächst es hier wie Unkraut und dazu noch extrem schnell. Wenns ein bisschen regnet, dann sind die ganze Strassenränder grün von diesen wohlriechenden Pflänzchen.

Vor etwas über einer Woche konnte ich beim Deutschen Wirtschaftsklub in Almaty einer Präsentation über die Tätigkeiten der OSZE in Zentralasien beiwohnen.

Frau Kloetzer erzählte von einem Projekt, das vor Kürze in Armenien durchgeführt wurde. Die dortige Regierung rief die OSZE um Unterstützung, weil die Russen nach dem Zusammenbruch der cccp hochgiftigen Raketentreibstoff in fast allen ehemaligen Republiken hinterlassen haben. Mehr als 1000 Tonnen dieser „Melange“ genannten Flüssigkeit lagen in Armenien. Die Behälter hatten Schäden und das Gift konnte in die Natur entweichen. Mit Wissenschaftlicher Unterstützung konnte die OSZE das Material mit einem simplen chemischen Prozess in Dünger umwandeln, welcher problemlos auf die umliegenden Farmen verstreut werden konnte. Die folgenden Bilder stammen aus einer 20Minütigen Filmreportage, welche ebenfalls beim Deutschen Wirtschaftsklub gezeigt wurde:

001 002 003 004 005 007 osce_members_and_partners

Interessant waren auch die Ausführungen von Frau Kloetzer über den anstehenden Vorsitz über die OSZE Kasachstan im folgenden Jahr. Welche Vorbereitungen hier laufen, und wie viel Kasachstan auch im Austausch steht mit ehemaligen Ländern, die den Vorsitz geleitet haben. Auf Jedenfall, so wurde gesagt hat Kasachstan eine grosse Aufgabe, neben dem OSZE Vorsitz, auch Innenpolitische Veränderungen durchzuführen und wie versprochen rasch Demokratische Reformen umzusetzen!

Links zum Thema: