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In Almaty wird gebaut und gebaut, was das Zeug hält. Ungeachtet der Finanzkrise werden ganze Stadtteile aus der Erde gestampft. Sowohl im Norden und Osten Richtung Berge – da vor allem Viertel für Wohlsituierte und Staatsleute. Das Schlossähnliche Gebäude, welches man auf den folgenden Fotos sieht hat der Finanzminister bauen lassen (Information aus der Bevölkerung). Rund um diesen Gebäudekomplex spriessen die verrücktesten von Architekten geschaffenen Experimente aus dem Boden. Jeder will da seinen Millionenschweren Traum verwirklichen. Etwas weiter werden Villenkomplexe in Serie produziert – von den grössten Immobilienfirmen Kasachstans.

Auch am unteren Stadtrand beim Rayon Aksai werden Haufenweise Häuser und ebenfalls ganze Stadtteile gebaut. Dies ist auf dem ersten Foto gut zu erkennen. Die Hausreihen ähneln den Satellitenstädten in Paris, Mailand und anderen europäischen Städten.

Wenn ich mich mit der Bevölkerung unterhalte sehe ich, dass viele Menschen schlecht informiert sind, was zum Beispiel die Veränderung ihrer Stadt oder nur schon des umliegenden Wohnraums betrifft. Das Stadtparlament (Akimat) informiert den Gesprächen nach willkürlich, wenn überhaupt. Und wie ich mich frage, fragen sich auch viele Andere für wen denn nun die ganzen Häuser und Wohnungen gebaut werden. Denn der normale Kasache wohnt in einer Plattenbauwohnung oder nur Mietwohnung, die man auf dem Zweiten und Dritten Foto sieht. Und soviele Reiche gibt es nun auch wieder nicht, die sich eine solche neue Wohnung oder eine dieser Villen zulegen können. Zu den Plattenbauwohnungen möchte ich noch hinzufügen, dass selbige auf mich als Schweizer eine seltsame Anziehung ausüben. Insgesamt gefallen mir die minimale Ästhetik und der Versuch trotz allen Vereinheitlichungsdranges während der Sowjetunion individuelles einzufügen, auch wenn es nur die Fassade oder der Balkon war.

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Die Nachricht dass der Gedankenbörsen-Blog bei den BOB’s von der Deutschen Welle nominiert wurde ereilte mich gestern per Kontaktformular. Ich freute mich über diese Tatsache – heute Morgen sah ich auf dem Krusenstern Blog einen super Artikel über die Nominierung und musste über die originelle Formulierung eines Kommentars von Jürg Vollmer (dem Betreiber des Krusenstern Blogs) bei den Kommentaren meines letzten Posts schmunzeln.

Ich freue mich über grosse Unterstützung meiner Freunde und Bekannten und LeserInnen, dass der Gedankenbörsen-Blog eine gute Figur macht, beim weiteren Verlauf dieses Wettbewerbes. Was alle oben genannten machen können: auf folgendem Link bei The BOB’s für den Gedankenbörsen-Blog stimmen.

Link

Hier noch eine etwas präzisere Beschreibung anhand von Screenshots. Nachdem auf der Abstimmungsseite bei The BOB’s der Gedankenbörsen-Blog angekreuzt wurde ganz nach unten scrollen und dort den Namen und die eigene email Adresse eingeben – und zu guter letzt auf ‚senden‘ klicken. Die Möglichkeit, an der Wahl zum ‚best weblog deutsch‘ teilzunehmen, und damit auch für den Gedankenbörsen-Blog zu stimmen ist bis am 26. November 2008 möglich.

Ich freue mich auch weiterhin über Kommentare zu meinen Artikeln aus Kasachstan.

Links zum Thema:

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Der Tag der Republik findet in Kasachstan jeweils am 25. Oktober statt. Das erst 17 jährige Land feiert damit seine Unabhängigkeit zur cccp und den Aufbau eines ‚neuen‘ Kasachstan. Gestern war es wieder so weit. Vor dem Dvoretz Respublika, dem ehemaligen Dvoretz Lenin fanden die Feierlichkeiten in Almaty statt. Das Wetter zeigte sich von seiner schlechteren Seite. Es war kalt und nieselte. Der Himmel war grau. Trotz allem kamen Leute um Tanz und Musik anzuhören. Eine gigantische Bühne mit einem Panoramabild von Almaty und den umliegenden Bergen in einer Grösse von ca 50×10 Metern, davor eine riesige kasachische Flagge aus Karton. Lichtshow und lautstarke Boxen vervollständigten die Bühne.

Das Publikum bekam schon nachmittags um zwei Uhr Konzerte und Tanzeinagen geboten, die man auch auf den folgenden Fotos bestaunen kann. Ein paar Dombraspielerinnen bieten das traditionelle Kasachische, die Tanzgruppen versuchen mit Einheitstrachten die glorreiche Zeit Kasachstans vor der cccp wieder aufleben zu lassen

Insgesamt ist die Stimmung eher deprimierend und die Leute wirken oft mehr falsch platziert, als wirklich interessiert am Spektakel. Wenn jemand aus dem Publikum zu begeistern ist, dann sind das die jungen Mädchen beim Auftreten eines Teen-Popstars aus dem Lande.

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Wer zum ersten Mal nach Kasachstan kommt wird nicht lange dafür benötigen einen der grössten ‚Bodenschätze‘ Kasachstans zu entdecken – den Abfall. Schon kurz nachdem man vom Flughafen über die frisch gebaute Autobahn in die Stadt hineinfährt und dann von der Furmanova ‚Präsidentenstrasse‘ abzweigt beginnt sich der Abfall in seinen schönsten Farben zu schillern. Zuerst erkennt man ihn nur in den Strassengräben, die im Sommer zur Bewässerung der Bäume und Pärke dienen, im Frühling und Herbst zur Entwässerung bei starken Regenfällen, später fällt er auch einem ungeübte Beobachter vor so ziemlich jeder Plattenbausiedlung auf.

Es ist schade, dass Kasachstan es nicht schafft, dieses Problem in den Griff zu kriegen, welches im Vergleich zu anderen Investitionen verschwindend klein wäre. Und es sind auch Bestrebungen im Gange – alleine in diesem Jahr wurden tausende metallene grüne Abfalleimer den Strassen entlang aufgestellt. Doch   das alleine reicht nicht. Der Kasache ist ein Postsowjetbürger, also gewohnt auf Befehle zu handeln. Nicht immer aber oft habe ich die neuen Abfalleimer fast leer vorgefunden, zwei Meter nebenan stehen aber Müllpakete mit häuslichen Abfällen, direkt unter dem Abfalleimer liegen zerbrochene Bierflasche – Überreste einer weiteren ‚olympischen‘ Disziplin der Kasachen – Das abendliche Zerschlagen jeder herumliegenden Bierflasche.

Für mich nicht mehr nachvollziehbar – aber sich schon unzählige Male gesehen, ältere Frauen, Grossmütterchen die den Müll direkt vor die Haustüre oder an den nächsten Baumstamm stellen, anstatt die notwendigen 100 Meter zur nächsten Sammelstelle hinter sich zu bringen.

Bei Jungen AlmatinerInnen ist es beinahe unschick, vermute ich, den Abfall in einen Eimer zu legen. Die soziale Kontrolle ist in diesem Moment überproportional gross. Die Freundesgruppe schaut genau hin, dass die PET-Colaflasche auch unbedingt in hohem Bogen ins nächste Gebüsch fliegt, oder über eine Mauer ins Ungewisse.

Recycling ist in Kasachstan unbekannt, Mülltrennung ebenfalls. Ein Sackgebührsystem ist nicht in Aussicht. Jeder, der einen Mitbürger dazu anhält, doch seinen eigenen Müll da hinzubringen, wohin dieser auch gehört wird höchstens mit einem Missbilligenden Blick betrachtet oder gleich noch beleidigt.

Ich musste bei meiner ersten Begegnung mit dem Phänomen zweimal hinschauen. Bei Parkbänken bemerkte ich grosse Ansammlungen von Sonnenblumenkernen Hülsen. Ich fragte mich zuerst woher diese wohl stammen. Ob ein spezielles Eichhörnchen oder anderes Nagetier solche seltsamen Spuren hinterlässt.

In einem Park in Almaty sah ich dann Gruppen von jungen Kasachen, die genüsslich Sonnenblumenkerne aus kleinen Plastiktüten knabberten. Die Überreste rieselten dann auf den Asphalt und bildeten diese mir zuerst unerklärlichen Häufchen.

Immer wieder sehe ich nun vor allem in Parkanlagen oder nach einem Gespräch auf offener Strasse zwischen zwei Kasachen im Anschluss ein Häufchen Sonnenblumenkern Hülsen.

Selber wollte ich diese Tätigkeit einmal ausprobieren. Ich schaffte es aber anfänglich nicht, die Kerne zwischen Daumen und Zeigefinger aufzudrücken, sodass der Inhalt unverletzt blieb. Die Variante mit dem aufknacken unter Beihilfe der Zähne fruchtete bei mir schneller. Wenn man aber den Kasachen zuschaut, mit welcher Geschwindigkeit die Kerne aufgeknackt werden und anschliessend mit einer Schwungvollen Bewegung in den Mund befördert werden bekommt man einen natürlichen Respekt.

Ja, um ganz ehrlich zu sein, zuerst bin auch ich darüber erschrocken. Nein nicht darüber, dass soviele Deutsche in Kasachstan leben, nein – vielmehr darüber, dass es in Kasachstan do viele deutsche Nahrungsmittel gibt. Wie das Ganze möglich ist, das ist mir auch jetzt noch ein Rätsel. Die Warenhauskette Interfood in Kasachstan importiert fast nur deutsche Lebensmittel. Von diesen Geschäften werden ständig neue eröffnet. Aktuell sind es in Almaty ca. deren fünf.

Man kommt zur Tür herein, sieht überall Produkte auf Deutsch angeschrieben. Vor allem das Label Gut & Günstig ist stark vertreten. Und vieles von dieser Marke ist geniessbar, obschon ein Schweizer über diesen Slogan nur ein müdes Kopfschütteln für seine Nachbarn übrig hätte – Wie soll das einem Schweizer in den Kopf gehen, dass etwas gleichzeitig gut und günstig ist?

Mich erstaunt mehr, als die Qualität deutscher Produkte die Tatsache, dass so etwas in Kasachstan erstens verlauft und zweitens gekauft wird. Und nicht nur im oberen Preissegment, sonst könnten Produkte von Gut & Günstig auch nicht angeboten werden. Viele Kasachen können ein paar Worte Deutsch. Es gibt Mineralwasser, welches meiner Meinung nach höchstens 10-20% teurer ist, als in Deutschland. Tiefgefrorene Pizzas sind ebenfalls unbedeutend teurer. Also muss ein riesiger Aufwand herrschen, der sich aber irgendwie lohnen wird. Sonst würde das wohl niemand machen.

Soviel zu Deutschland in Kasachstan.

Schönheit ist für Kasachinnen das Ein und Alles. Tagtäglich herrscht ein Schönheitswettbewerb ohnegleichen. Als Mann hat man es da auch nicht leicht, wenn man aus Europa anreist und sich zum ersten Mal konfrontiert sieht mit gleichaltrigen Frauen in Higheels, kurzen Röcken und nicht ganz dezentem Makeup. Was für die Europäerin unter Feministische Einschränkungen oder sogar Diskriminierung der Frau geht   wird in Kasachstan zelebriert, so gut als eben möglich. Der Absatz für Schönheitscremes, Lippenstift und Nagellack wird pro Frau wohl in keinem anderen Land so hoch sein. Und die Kasachinnnen tragen ihre Weiblichkeit gerne zur Schau. Wenn subjektiv das Makeup als leicht abgenützt wahrgenommen wird, dann muss gehandelt werden. Und wo sich Frau auch befindet – Spiegel raus, Lippenpomade drauf, Wangenpuder aufgepinselt, dann ein kritischer Blick oder ein bestätigender Blick einer Freundin und die Welt ist wieder in Ordnung.

Das grenzt oft an Akrobatik, im Autobus eine Hand an der Haltestange unsicherer Stand wegen der hohen Absätze, dann muss geschminkt werden.  Oder auch während der Arbeit. Ein Bankkunde wird erst bedient, wenn das Makeup stimmt. Im Gegensatz zu Europa geht auch eine Kasachin nicht ungeschminkt in den Bergen wandern.

Ein weiteres sehr wichtiges Accessoire ist der Fingernage. Da habe ich nun wirklich schon alles gesehen. Meistens mehrere Zentimerter lange künstliche Fingernägel, ein Wunder, dass da nicht grobe Verletzungen vorkommen. Ganze Bildchen kunstvoll darauf gemalt in den Modefarben Gold und Silber.

Bei der Kleidung muss auf jedem Kleidungsstück der Name eines berühmten Modehauses stehen : Dolce Gabbana, Louis Vuitton, Versace … Natürlich in riesigen Buchstaben, aus billigstem Metall sind diese Initialen auch auf jedem Frauengürtel,Handtasche,Sonnenbrille angebracht.

Das Alte Schulhaus, verfallen und innen total ausgehöhlt, ohne Dach und ein neues Gebäude fertiggestellt letzten Sommer an der Satpaeva, direkt neben dem Hayatt Hotel. Schade ist, dass die Stadt wenige von den sehr schönen alten Häusern aus den 20ern bis 40er Jahren renovieren lässt, denn Tendenz ist und bleibt abreissen,abreissen und nochmals abreissen. Trotz besserer Bausubstanz und wichtiger geschichtlicher Bedeutung vieler Gebäude aus der Zeit der Sowjetunion. – Auf die Fotos klicken für eine Ansicht in Originalgrösse.

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Der Film Indien stammt aus Österreich. Die beiden Komödianten Josef Hader und Alfred Dorfer spielen die Hauptrollen. Sie gehen beim Start des Films auf Dienstreise, wissen beide nicht, dass sich schnell vieles dramatisch entwickeln wird.  Der Film stammt aus den 90ern, der Kleidung und Autos nach zu urteilen dachte ich zuerst an die 60,70er Jahre. Originell spielen die beiden Schauspieler ihre Figuren. Beide sind auch sonst in Österreich bekannte Kabarettisten. Im Film Indien geraten sie mit ihrer unterschiedlichen Sicht der Dinge und unterschiedlichen Impulsivität aneinander. Die Geschichte nimmt dann eine völlig unerwartete Richtung und auch in diesen Situationen brillieren die Schauspieler an Kommunikativen Leistunge.

Eine Ambulanz nach Regenwetter auf Almatys Strassen. Ja, es ist Sonntag, darum herrscht kein Stau wie an jedem Wochentag. Es gibt alle Arten von Krankenwagen in Almaty. Oft steht noch der deutsche Schriftzug Ambulanz drauf, oder der Name des Spitals von dem sie ursprünglich stammen. Sie haben es wie eben schon erwähnt nur am Sonntag leicht, die Opfer des Strassenverkehrs oder anderen Unfällen aufzunehmen. Ansonsten kommen sie nicht vom Fleck. Und die Regel, welche in Europa üblich ist, der Ambulanz den Vortritt zu lassen, oder zumindest auf etwas auszuweichen existiert in Kasachstan nicht. Hier wird jeder Zentimeter im Strassenverkehr erkämpft, als ging es um alles oder nichts.

Mir gefallen diejenigen, von denen eine auf dem Foto zu sehen ist, die Russischen Krankenwagen schaffen jedes Gelände und sind auch bei Minustemperaturen einsatzbereit. Das Innere, wie ich mich selber schon einmal überzeugen konnte ist sehr spärlich ausgerüstet, nicht zu vergleichen mit den ganzen Notfallgeräten, die im Westen eingesetzt werden. Ach zum vorhergehenden Satz: Nein, ich   fuhr nicht mit, weil ich verletzt war.

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