Vor etwas über einer Woche konnte ich beim Deutschen Wirtschaftsklub in Almaty einer Präsentation über die Tätigkeiten der OSZE in Zentralasien beiwohnen.

Frau Kloetzer erzählte von einem Projekt, das vor Kürze in Armenien durchgeführt wurde. Die dortige Regierung rief die OSZE um Unterstützung, weil die Russen nach dem Zusammenbruch der cccp hochgiftigen Raketentreibstoff in fast allen ehemaligen Republiken hinterlassen haben. Mehr als 1000 Tonnen dieser „Melange“ genannten Flüssigkeit lagen in Armenien. Die Behälter hatten Schäden und das Gift konnte in die Natur entweichen. Mit Wissenschaftlicher Unterstützung konnte die OSZE das Material mit einem simplen chemischen Prozess in Dünger umwandeln, welcher problemlos auf die umliegenden Farmen verstreut werden konnte. Die folgenden Bilder stammen aus einer 20Minütigen Filmreportage, welche ebenfalls beim Deutschen Wirtschaftsklub gezeigt wurde:

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Interessant waren auch die Ausführungen von Frau Kloetzer über den anstehenden Vorsitz über die OSZE Kasachstan im folgenden Jahr. Welche Vorbereitungen hier laufen, und wie viel Kasachstan auch im Austausch steht mit ehemaligen Ländern, die den Vorsitz geleitet haben. Auf Jedenfall, so wurde gesagt hat Kasachstan eine grosse Aufgabe, neben dem OSZE Vorsitz, auch Innenpolitische Veränderungen durchzuführen und wie versprochen rasch Demokratische Reformen umzusetzen!

Links zum Thema:

Diese Werbung habe ich auf einem grossen schweizer Nachrichtenportal gesehen, die Debatte um die Armeewaffen, welche noch immer zu tausenden in den Schweizer Kleiderschränken herumliegen, scheint noch immer aktuell zu sein. Über das Thema habe ich schon etwa drei Texte vor etwa einem Jahr veröffentlicht. Und ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, weshalb dieses Thema so umständlich diskutiert wird und welche Hornochsen von Parlamentariern eine schnelle Änderung des Gesetzestextes blockieren.

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Ich gratuliere dir Schweiz! Tatsächlich ist ein Antidemokrat, Unruhestifter und Politiker mit stark Volksaufhetzenden Tendenzen endlich weg vom Fenster! Das ist ein wichtiger Tag für die Schweiz, eine offene und integrative Schweiz.
Das soll keineswegs bedeuten, dass die Werte, die Traditionellen dieses Landes in den Hintergrund gedrängt werden sollten!

Nein, ich finde jede Schweizerin und jeder Schweizer sollte stolz sein, wenn in einem demokratisch wählenden Land progressive und und damit meine ich klar weniger konservative Kräfte ans Ruder kommen.

Der abgewählte Politiker hat mit scheinheiligen Reden und scheinheiligem Brauchtum etwas vorgegaukelt was weder schweizerisch ist, noch in unserer Tradition steht.

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Geht es der Schweiz so schlecht, dass eine Rechtspopulistische Partei wie die SVP dermassen zulegen kann, oder ist die gesamte politische Entwicklung ein Symptom einer grösseren Erkrankung? Denn es ist schnell gesagt, der Rechtstrend sei auf die „Blocher“ – Partei zurückzuführen und die ersten Gründe, welche dazu aufgezählt werden sind die Angst vor einem EU-Beitritt eines Grossteils der Bevölkerung und die noch grössere Angst vor der Überfremdung. Also eine Urangst, die Angst die eigene „Arische“ Blutslinie zu verlieren. Obschon gerade dies in der Schweiz, einer jeher Multinationalen Bevölkerung ein Witz ist.

Demnach muss an verschiedenen Orten in der Schweiz gesucht werden. Alleine solche Argumente reichen in einem der wohlhabendsten Länder der Welt garantiert nicht aus, um das Phänomen zu erklären.

Der Blog „Lupe“ titelt nach der Abstimmung „Braune Tsunami-Welle überrollte die Schweiz“, darin geht der Verfasser auf den Wahlkampf der letzten Monate in der Schweiz ein, stellt auch die überaus berechtigte Frage, warum sich das Volk nicht wehrt gegen eine dermassen hässliche und unmenschliche Polarisierung.

Auf der Webseite world socialist web site gibt es einen spannenden, gut geschriebenen Text mit dem Titel:“ Wahlkampf deckt tiefe Brüche in der Gesellschaft auf.“ : wsws.org – hier ein Ausschnitt aus dem Artikel

Die 7,5 Millionen Einwohner zählende Schweiz verfügt über vier offizielle Sprachen (deutsch, französisch, italienisch und rätoromanisch) und über zwei Hauptreligionen (römisch-katholisch und evangelisch-reformiert), die sich vor 160 Jahren noch in einem Bürgerkrieg bekämpften. Neben den Sitzen internationaler Großbanken (UBS, Credit Suisse) und globaler Konzerne (Nestlé, Novartis, Roche) finden sich auf engstem Raum ländlich Gegenden, in denen die bäuerliche Folklore noch zur Alltagskultur gehört. Hochentwickelte Industriezweige (Maschinenbau, Feinmechanik, Pharma) paaren sich mit primitivsten Formen der Landwirtschaft in den Bergen.

Die Neutralität in Verbindung mit dem Bankgeheimnis hat die Schweiz reich gemacht. Die Neutralität ermöglichte es ihr in zwei Weltkriegen, mit allen Seiten Geschäfte zu machen. Das Bankgeheimnis machte sie zum Anziehungspunkt für Großvermögen aus der ganzen Welt. Die Schweizer Großbank UBS ist mit 3,3 Billionen Franken Kundengeldern auch heute noch der größte Vermögensverwalter weltweit. Hinzu kommt dank der Naturschönheiten des Landes eine lukrative Tourismusindustrie.

Solange es gelang, die Grenzen einigermaßen abzuschotten, konnten die Gegensätze im Innern des Landes mit Hilfe dieses Reichtums abgedämpft werden. Der Sozialstaat erreichte zwar nie das Ausmaß der europäischen Länder mit einer starken Arbeiterbewegung. Aber die Arbeitslosigkeit war gering und das Lohnniveau relativ hoch. Die Landwirtschaft wurde hoch subventioniert und vor Importen geschützt.

Mit der Globalisierung, dem Wachstum der Europäischen Union und dem Ende des Kalten Krieges hat dieses System Risse bekommen. In der Schweizer Gesellschaft sind tiefe Gräben aufgebrochen. Der Aufstieg der SVP ist ein direktes Ergebnis davon. Zitat Ende.

Ein Grossteil des Artikels widmet sich auch dem Aufstieg der SVP und zeigt die massiven Verknüpfungen der Schweiz zwischen Politik und Wirtschaft. Eine beinahe Schizophrenes Gebärden müsste da auch Blocher attestiert werden, welcher einer der reichsten Männer der Schweiz ist, einen Grosskonzern führte, das Bankgeheimnis unbedingt beibehalten will, gleichzeitig den Bauern möglichst viele Subventionen überlassen möchte und seine Ansprachen durch Folklore (Kuhglocken und Schweizerkreuze) untermalt.

Um noch einmal auf den Titel zurückzukommen: “ Wahlkampf deckt tiefe Brüche in der Gesellschaft auf“, – den finde ich wirklich gut. Die Schweiz hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten massiv verändert. Die Bauern sind genau wie die Industrie verschwunden. Die Industrie befindet sich nun in Asien und die Bauern, sind in Süd- und Osteuropa. Die Schweiz hat sich zu einer beinahe reinen Dienstleistungsgesellschaft entwickelt. Importiert werden Unmengen von Ausländerinnen und Ausländern, die sich auf einem Fachgebiet spezialisiert haben, zum Beispiel im Bankensektor, dem Medizinalwesen und der Pharmazeutik. Durch die Gesamtentwicklung in den letzten Jahren hat es auch viele Schweizer gegeben, die an der Armutsgrenze“ leben, die working poors und die Stadtflucht hat den ländlichen Gegenden massiven Schaden zugefügt. Die Politik von Blocher manipuliert viele der ärmeren Schichten mit angstmachenden Parolen. Eine Schweiz wird heraufbeschworen, wo ein Mythos, wie Wilhelm Tell und die „Neutralität“ im zweiten Weltkrieg grossgeschrieben werden. Es werden „saubere“ Finanzgeschäfte der Grossbanken aufgetischt, die Überwachung innerhalb der Schweiz wird zum Nationalheiligtum erklärt und insgesamt eine völlig verklärte Sicht auf die Position der Schweiz inmitten Europas beschrieben.

Diese Entwicklung ist schade. Die Schweiz ist ein Land der Traditionen. Doch Echte Bräuche, wie ein „Fridlisfeuer“ oder das „Chlausschälle“ im Glarnerland, sind akut vom Aussterben bedroht. Künstliche Volksfeste, die nicht wirklich alt sind dienen als Instrumente eines sehr gefährlichen Nationalpopulismus. Und wohin Nationalpopulismus führen kann sollte Jedermann und Jederfrau klar sein.

Die Linken Parteien haben, wie mir eben jemand per sms aus der Schweiz geschrieben hat im Wahlkampf einfach die schlechteren Wahlstrategen gehabt. Vielleicht haben die bürgerlichen Parteien einfach zwanzig Millionen Schweizerfranken mehr in den Wahlkampf investiert.
Was läuft falsch in der Schweiz? Ich will die Schweiz nicht verurteilen, wie ich im Titel aber geschrieben habe empfinde ich die Schweiz als einen kränkelnden Staat. Es fehlt an einer guten integrativen Zusammenarbeit. Es fehlt an Respekt Ausländerinnen und Ausländern gegenüber und vor allem fehlt es an Visionen!

Wieder einmal konnte ich gestern eine politische Debatte führen, mit Spaniern aus Sevilla und dem Norden des Landes. Über die Türkei, eine dortige Kunstmesse hat Pablo die Mail Adresse von Valeria erhalten. In den letzten Zwei Wochen machte er mit seinem Freund und Ragel eine Tour an den Aralsee, weiter geht es in den nächsten Tagen über Semipalatinsk in den Norden. Kennengelernt hatten wir uns im Soros Center, bei einer Vernissage vorgestern. Valeria war so entgegenkommend und hat mir alle Englischsprachigen Gäste vorgestellt, darunter hat sich eben auch Pablo befunden. Zum ersten Mal ist er in Zentralasien und er zeigt sich begeistert und offen für Neues. Obschon er auch die etwas spezielleren Momente in Kasachstan schon hat kennenlernen dürfen. Auf der Strasse in der Nähe des Aralsees musste er mit ansehen, wie ein Auto mit einem Pferd kollidierte. Das Auto war nachher kaputt und das Pferd tot, mit zerrissenen Körperteilen, was garantiert keinen schönen Anblick bot. Dies nachdem die Reisenden schon am gleichen Tag eine Kollision mit einer Kuh mit ansehen mussten.

Gestern haben wir uns beim Kastejev Museum getroffen, wo uns Catherin Rezhnikova freundlicherweise eine Führung offerierte, in Erstklassigem Englisch. Das schreib ich nur, weil sie sich immer schämte und sagte, ihr Englisch sei sehr schlecht. Im Gegenteil, lobte ich sie immer wieder und ermunterte sie ihre Geschichten zu den Werken weiterzuerzählen. Dabei konnte ich auch noch einiges Dazulernte, das ich auch nach dem fünften Besuch in besagtem Museum nicht wusste. Zum Beispiel bei den traditionellen kasachischen Exponaten gibt es spezielle Flaschen für die gegorene Stutenmilch. Die gleichen alten Lederflaschen, sind auch aus Leder hergestellt, verfügen aber auf den Seiten über konische Zusätze, die beim Reiten und folgenden Schütteln des Inhalts und Druckaufbaus verhindern, dass der Zapfen wie bei einer Champagnerflasche davonfliegt. Weiter beschrieb Catherine ins Detail die Kunst Anfangs 20.Jahrhunderts, an Werken, die die Veränderungen Kasachstans mit dem Kommen des Kommunismus zeigten. Die ganzen Maschinen, die neben den Jurten zu sehen sind, wie die Turksib gebaut wird. Am Ende der Führung, als wir im Raum ankamen, wo zuvor die Contemporary (zeitgenössische) Ausstellung war befindet sich jetzt die Geburtstags Ausstellung eines kasachischen, traditionellen Künstlers. Wegen des Wechsels der Direktion verschwand die gesamte Ausstellung der jüngsten kasachischen Künstler. Catherine schämte sich etwas für die neue Direktion, welche der Identitätsfindung der jungen Künstler schaden könnte. Grundsätzlich werde das Museum aktuell von der jungen zielstrebigen Kasachstanerin geführt, als ob es eine wirtschaftliche Institution sei und Profit machen müsse. Aber das Verschwinden der Zeitgenössischen Werke hat auch eine politisch-traditionelle Komponente.

Die Regierung ist bestrebt ein Nationales, patriotisches Kasachstan zu gestalten und sieht ihre Werte mehr in der traditionellen kasachischen Handwerkskunst und der Mythologie. Verehrt werden da Helden und Krieger, wie auch hart arbeitende Bauernfamilien. Nichts daran ist schlecht und braucht auch nicht verurteilt zu werden. Schade ist bloss, dass nicht ein friedliches Nebeneinander stattfinden kann. Denn die Zeitgenössische Kunst ist ein wichtiger Faktor in diesem Land. Insgesamt wird einfach der Geldhahn zugedreht, wenn die politischen Wertehüter der Meinung sind, dass etwas nicht der Nation dient.

Die Spanier schauten sich die Ausstellung an, anschliessend gingen wir zusammen etwas essen und mit Pablo habe ich mich über Globalisierung, die Probleme, die meiner Ansicht nach in Europa bestehen, unterhalten. Dabei war sicher ein Schwerpunkt die Zunahme an Kontrollen in den zentraleuropäischen Ländern, wie auch die Verstärkung der schon jetzt markanten Polizeistaaten, wozu ich auch die Schweiz an einer der ersten Stellen erwähnen würde, anschliessend Italien, Deutschland, Frankreich und Spanien. Dabei haben wir uns über den Vorfall von Genua unterhalten und auch das Heiligendamm Debakel. Die Ursache des Problems haben wir aber nicht in solch kurzer Zeit lokalisieren können. Der Kapitalismus, die Gewinnmaximierung und Passivität eines grossen Teils der Bevölkerung ist meiner Meinung nach mitschuldig.

Interessant ist für mich auch der Unterschied in Sachen Reaktion und Aktion auf ein bestehendes System, aktuell gesehen aus der Perspektive Kasachstans. Während in der Schweiz jeder seinen Kommentar in der Zeitung veröffentlichen kann und die Kräfte immer aufgehoben werden, in Gegendarstellungen, gilt hier in Kasachstan eine andere Gesetzmässigkeit. Diese ist gewachsen in der Zeit des Kommunismus, somit bestand keine Alternative, als die bestehende Meinung der Partei. Auch jetzt gibt es wenig oppositionelle Stellung in Zeitungen oder anderen Informationskanälen. Die Bevölkerung hat auch vom unglaublichen Wirtschaftlichen Aufschwung des Landes profitiert und ist sich nicht gewohnt, sich in Staatliche Diskussionen einzumischen. Der einzelne Bürger, Taxifahrer oder Bauer empört sich natürlich hinter vorgehaltener Hand über die Situation und bezeichnet die Regierung auch mal als Banditen.

Mein Gedanke, zu den formulierten Punkten, oder meine Fragestellung ist es, wie könnte die Schweiz z.B in einigen Punkten von einem Land wie Kasachstan lernen und umgekehrt. Ich persönlich sehe kein grosses Wachstum in der kleinlichen Politik der Schweiz und der Scheinheiligkeit einer Wandelhalle des Bundeshauses, wo einfach Business gemacht wird und den Schlammschlachten aktueller politischen Themen, in denen eine Partei, meistens die Rechte/Bürgerliche zuerst eine Kampagne startet und dann die Linke Gegenargumente liefert. Was ist das Ziel einer solchen Politisierung? Soll den Jugendlichen und jungen Erwachsenen in diesem meiner Meinung nach Pseudokonsens aufgezeigt werden, wie interessant und Spassvoll Politik ist? Hier in Kasachstan freut es mich, wenn ich junge Menschen sehe, die sich überhaupt wagen ihre Meinung zu formulieren. Und ich sehe hier sehr viele Menschen mit grossem Interesse, auch etwas zu bewegen, obschon hier die Hürden x-Mal höher sind, als in der Schweiz und eine komplett andere Art des Durchsetzungsvermögens und der Beharrlichkeit gefragt sind.

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„Fascho – Berichte aus dem Alltag“ ist eine Ausstellung, die aktuell in der Shedhalle der Roten Fabrik in Zürich zu sehen ist. Wegen der Durchmischung der Symbole hat die Ausstellung auch grosse Medienpräsenz erhalten. Ich war nun mehr spontan gestern mit einem guten Freund zur Ausstellung gefahren und vielleicht weil ich ohne Erwartungen hingegangen bin wurde ich sehr positiv überrascht.

Natürlich nicht wegen des sehr komplexen Themas, sondern weil die Ausstellung sehr gut gemacht wurde. Mit Themenclustern und vielen Erklärungen und doch nicht konventionell.

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Ich kann die Ausstellung allen empfehlen. Sie läuft noch bis am 23. Sept 2007.

Quellenangaben: Die beiden Postkarten stammen aus der Ausstellung, die drei folgenden Fotos habe ich mit Erlaubnis aufgenommen (P1i)

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