Beiträge

foto by r.wiedenmeier

Etwas ausserhalb der Millionenmetropole Almaty sieht es oft aus, wie auf dem obigen Foto. Die Mengen an Müll, der in der Natur landet nimmt Jahr für Jahr zu. Obschon im Gegensatz zu Ländern in Europa die Abfallentsorgung kostenlos ist scheint es die Menschen nicht zu kümmern, wie sie ihre Umwelt zerstören.

aufs Foto klicken für eine grössere Ansicht.

dsc_0007
fotos by r.wiedenmeier fotos kaufen >>     www.istockphoto.com

Das Kasachische Ökosystem, so denkt man hat bereits genug zu leiden, wenn man an die Nachlassenschaft aus den Zeiten der UDSSR denkt. Aber nein es geht genau gleich weiter, wenn nicht noch schlimmer.

Bei einem Ausflug etwas ausserhalb der Stadt denkt man, es wartet ein Naherholungsgebiet auf einen, wie es in den Kasachischen Reklamen auf TV Spots oder in der Werbung verheissen wird. Immer wieder sagen die Kasachen voller Stolz :” Schaut doch her, wir haben hier Berge, Natur, alles wie in der Schweiz!” – Nun gut, auf den ersten Blick mag das stimmen. Kurz darauf muss man fast total blind sein, um die Realität nicht zu erkennen.

dsc_0004 dsc_0005 dsc_0006 dsc_0007 dsc_0021 dsc_0031

Ein schönes Flüsschen kommt durch ein grünes Bergtal hinunter. Idyllisch. Dann geht man dem Flüsschen entlang Richtung Berge und als Erstes nimmt man den Geruch wahr. Überall im Flüsschen liegen Abfälle. Nicht bloss ein paar Coladosen oder Bierflaschen. Darüber könnte man ja noch hinwegsehen. Nein es sind ganze Berge von Müllsäcken, Kinderwagen, TV’s… die da mitten im schönsten Naturgebiet liegen.

Das Fragliche für einen Ausländer in Kasachstan ist erstens wer macht so etwas und zweitens warum macht Jemand so etwas. Schliesslich leben die Menschen in dieser Gegend und man kann den Abfall genauso gut wieder dahin zurückbringen, wo man die Produkte gekauft hat. Und dann fragt man sich auch, was denn die Behörden machen, ob ihnen das wohl einfach egal ist?

Einer der weltgrössten Stauseen liegt ca. 80 Kilometer vor Almaty in der Steppe. Er wird gespiesen vom Ili Fluss. Gebaut wurde die Staumauer 1965. Im Sommer ist es das Naherholungszentrum Almatys. Alle jungen Leute suchen da Sonne und Urlaubsstimmung à la Mallorca. Das Resultat davon konnte ich am Sonntag mit eigenen Augen sehen. Das Ufer des Sees ist über die gesamte Strecke an der Stadt Kaptschagai mit Abfall übersät. Und wirklich mit allen nur vorstellbaren Gegenständen. Haufen von Glasscherben aus Bierflaschen, jede Menge PET Flaschen, Industrieabfall, Eisen – und Betonrückstände… Also da muss man schon Mut haben, wenn man da im Sommer baden gehen will.

dsc_0038
fotos by r.wiedenmeier fotos kaufen >>     www.istockphoto.com

Auf dem Foto sieht das Ganze richtig romantisch aus. Bitte auch die folgenden Fotos anschauen!

dsc_0031 dsc_0036 dsc_0040 dsc_0053 dsc_0055

Was sehr seltsam anmutet ist die Tatsache, dass neben den schönen Strandhäuschen die Überreste von Plattenbauten stehen, und keinen Kilometer weiter Luftlinie befindet sich das Industriezentrum Kaptschagais, die ganzen Fabrikgebäude mit ihren dreckschleudernden Kaminen. Also als Gast in dieser Erholungsgegend muss man schon ziemlich betrunken sein, um die Realität ausblenden zu können!!!

Die Stimmung für mich hat etwas absurd-faszinierendes gehabt. Und wenn ich wieder Ziet habe, fahre ich mit dem Bus gerne wieder mal dahin.

Wer zum ersten Mal nach Kasachstan kommt wird nicht lange dafür benötigen einen der grössten ‚Bodenschätze‘ Kasachstans zu entdecken – den Abfall. Schon kurz nachdem man vom Flughafen über die frisch gebaute Autobahn in die Stadt hineinfährt und dann von der Furmanova ‚Präsidentenstrasse‘ abzweigt beginnt sich der Abfall in seinen schönsten Farben zu schillern. Zuerst erkennt man ihn nur in den Strassengräben, die im Sommer zur Bewässerung der Bäume und Pärke dienen, im Frühling und Herbst zur Entwässerung bei starken Regenfällen, später fällt er auch einem ungeübte Beobachter vor so ziemlich jeder Plattenbausiedlung auf.

Es ist schade, dass Kasachstan es nicht schafft, dieses Problem in den Griff zu kriegen, welches im Vergleich zu anderen Investitionen verschwindend klein wäre. Und es sind auch Bestrebungen im Gange – alleine in diesem Jahr wurden tausende metallene grüne Abfalleimer den Strassen entlang aufgestellt. Doch   das alleine reicht nicht. Der Kasache ist ein Postsowjetbürger, also gewohnt auf Befehle zu handeln. Nicht immer aber oft habe ich die neuen Abfalleimer fast leer vorgefunden, zwei Meter nebenan stehen aber Müllpakete mit häuslichen Abfällen, direkt unter dem Abfalleimer liegen zerbrochene Bierflasche – Überreste einer weiteren ‚olympischen‘ Disziplin der Kasachen – Das abendliche Zerschlagen jeder herumliegenden Bierflasche.

Für mich nicht mehr nachvollziehbar – aber sich schon unzählige Male gesehen, ältere Frauen, Grossmütterchen die den Müll direkt vor die Haustüre oder an den nächsten Baumstamm stellen, anstatt die notwendigen 100 Meter zur nächsten Sammelstelle hinter sich zu bringen.

Bei Jungen AlmatinerInnen ist es beinahe unschick, vermute ich, den Abfall in einen Eimer zu legen. Die soziale Kontrolle ist in diesem Moment überproportional gross. Die Freundesgruppe schaut genau hin, dass die PET-Colaflasche auch unbedingt in hohem Bogen ins nächste Gebüsch fliegt, oder über eine Mauer ins Ungewisse.

Recycling ist in Kasachstan unbekannt, Mülltrennung ebenfalls. Ein Sackgebührsystem ist nicht in Aussicht. Jeder, der einen Mitbürger dazu anhält, doch seinen eigenen Müll da hinzubringen, wohin dieser auch gehört wird höchstens mit einem Missbilligenden Blick betrachtet oder gleich noch beleidigt.

Hier ein Beispiel eines richtig Sowjetischen Treppenhauses. Dasjenige, welches man hier sieht ist meins! Mir gefällt diese Gleichheit, –   Die Farbtöne variieren etwas. Das ist das Einzige. Auf dem unteren Foto sieht man ein dickes Stahlrohr, welches früher einem sehr guten Zweck diente. Man konnte seinen Müll einfach in seiner Etage neben der Tür in den Schlund werfen und dann rutschte dieser in einen Container im Erd – oder Untergeschoss. Leider wird diese Dienstleistung nicht mehr angeboten!

Links zum Thema:

Es gab in Kunsthäusern Künstler, die Abfall als Kunstwerke ausgestellt haben. Schade waren diese Künstler nie in Almaty. Sie hätten die ganze Stadt ausstellen können. Almatys Einwohner sind Abfallkünstler. Obwohl Bestrebungen der Stadtverwaltung, Universitäten und TV -Spots das Problem erkannt haben und versuchen dagegen vorzugehen, bleibt das Entsorgen allen nur erdenklichen Mülls auf den Strassen eine Art Volkssport. Das ist in keinster Weise ein Unterfangen, welches nur Junge betreiben. Ich habe schon viele Grossmütterchen gesehen, die leere Behälter, Flaschen, Plastikpapierchen undundund auf die Strasse geworfen haben.

Natürlich gibt es auch Kunstformen, die noch etwas fürs Gehör sind. So werfen die jungen Männer nach Mitternacht gerne leere Bierflaschen gegen Hauswände oder Müllcontainer, um die Produktion ihrer “Kunst” auch zu hören.

Hier ein par Fotos, die ich von dieser modernen Kunstform gemacht habe, gut hier nicht auf der Strasse sondern hauptsächlich bei Müllsammelplätzen.

dsc_0011
fotos by r.wiedenmeier fotos kaufen >>     www.istockphoto.com

abf_001 abf_003 abf_010 abf_011 abf_014 abf_014_0