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Das darf man nicht” Einen Satz, den ich in Kasachstan schon unendlich viele Male gehört habe:”Das darf man nicht”! Vor allem steht dieser Satz im Zusammenhang damit, dass ich viel in Kasachstan fotografiere. Die Sujets, die ich besonders mag darf man nicht fotografieren. Darunter geht jedes Haus, welches abgerissen wird, Hochhäuser, die sich im Bau befinden und alles was in irgendeiner Weise mit Spionage zu tun hat. Ganz Almaty ist abgeschirmt. Bei fast jedem Häuserblock gibt es 50, 100 oder mehrere hundert Meter lange Blechwände, damit der Neugierige Blick nicht sieht, was dahinter vor sich geht. Die Wände sind zwischen 3 und fünf Meter hoch. Es gibt einen Zentralen Eingang zum Grundstück oder der Baustelle und da befindet sich immer ein kleines Plastikhäuschen mit einem Securityangestellten. Ich suche mich oft Löcher in diesen Metallwänden oder warte darauf, dass ein Security Angestellter abgelenkt ist und in dem Moment mache ich die Fotos. Gleich darauf wettert es los:”Wer sind Sie?” – „Was machen Sie hier?” – „Es ist verboten hier zu fotografieren!” – Meine Antwort fällt meistens gleich aus:”No russki”

Zum Teil sind die Security Angestellten sehr genau. Schon von über hundert Meter Entfernung haben sie erkannt welche Absichten ich hatte und sind mir entgegengerannt. Es ergaben sich sinnlose Diskusssionen und ich versuchte immer wieder meinen Standpunkt zu erklären und ich beteuerte immer wieder, dass ich kein Spion bin. Eben diese Aussage wird sie vermutlich noch misstrauischer machen.

Was weniger verständlich ist, ist die Tatsache, dass ich immer wieder darauf aufmerksam gemacht werde, dass ich auch neue, im Bau befindliche Projekte nicht fotografieren darf. Meine Erklärung dazu ist die, dass die Vorarbeiter oder Projektleiter weniger Angst davor haben, dass ich Bauweise, Material und Architektur spionagetechnisch verwerten kann, sondern dass Sie Angst davor haben, dass Baufehler, unpräzises und Unsauberes auf den Fotos zu erkennen ist. Um nochmals auf den Titel zurückzukommen:”Das darf man nicht” ist kein Anlass zur vernünftigen Diskussion oder zur Frage: „Warum darf man das nicht”, sondern es ist ein Überbleibsel aus der Sowjetunion, es war sehr viel Verboten.

Die Deutsche Woche, organisiert durch das Goethe-Institut in Almaty hat am Freitag den 31. Oktober mit der Fotoausstellung „Epson art photo award” – Junge Europäische Fotografie begonnen. Die Ausstellung präsentiert 112 prämierte Foto-Arbeiten von Studenten und Hochschulabsolventen aus Deutschland, Ungarn, Schweden, Polen, Großbritannien, Ukraine.

Als Fortsetzungsprogramm spielte Barbara Morgenstern anschliessend im Coffe Delia Elektronische Lieder.

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Dem kasachischen aber auch Deutschen Publikum präsentierte Morgenstern eine frische und lebendige Sammlung ihrer Kompositionen. Elektro Beats (nicht langeweilig und monoton) kombiniert mit der eigenen Stimme.

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In Almaty wird gebaut und gebaut, was das Zeug hält. Ungeachtet der Finanzkrise werden ganze Stadtteile aus der Erde gestampft. Sowohl im Norden und Osten Richtung Berge – da vor allem Viertel für Wohlsituierte und Staatsleute. Das Schlossähnliche Gebäude, welches man auf den folgenden Fotos sieht hat der Finanzminister bauen lassen (Information aus der Bevölkerung). Rund um diesen Gebäudekomplex spriessen die verrücktesten von Architekten geschaffenen Experimente aus dem Boden. Jeder will da seinen Millionenschweren Traum verwirklichen. Etwas weiter werden Villenkomplexe in Serie produziert – von den grössten Immobilienfirmen Kasachstans.

Auch am unteren Stadtrand beim Rayon Aksai werden Haufenweise Häuser und ebenfalls ganze Stadtteile gebaut. Dies ist auf dem ersten Foto gut zu erkennen. Die Hausreihen ähneln den Satellitenstädten in Paris, Mailand und anderen europäischen Städten.

Wenn ich mich mit der Bevölkerung unterhalte sehe ich, dass viele Menschen schlecht informiert sind, was zum Beispiel die Veränderung ihrer Stadt oder nur schon des umliegenden Wohnraums betrifft. Das Stadtparlament (Akimat) informiert den Gesprächen nach willkürlich, wenn überhaupt. Und wie ich mich frage, fragen sich auch viele Andere für wen denn nun die ganzen Häuser und Wohnungen gebaut werden. Denn der normale Kasache wohnt in einer Plattenbauwohnung oder nur Mietwohnung, die man auf dem Zweiten und Dritten Foto sieht. Und soviele Reiche gibt es nun auch wieder nicht, die sich eine solche neue Wohnung oder eine dieser Villen zulegen können. Zu den Plattenbauwohnungen möchte ich noch hinzufügen, dass selbige auf mich als Schweizer eine seltsame Anziehung ausüben. Insgesamt gefallen mir die minimale Ästhetik und der Versuch trotz allen Vereinheitlichungsdranges während der Sowjetunion individuelles einzufügen, auch wenn es nur die Fassade oder der Balkon war.

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Schönheit ist für Kasachinnen das Ein und Alles. Tagtäglich herrscht ein Schönheitswettbewerb ohnegleichen. Als Mann hat man es da auch nicht leicht, wenn man aus Europa anreist und sich zum ersten Mal konfrontiert sieht mit gleichaltrigen Frauen in Higheels, kurzen Röcken und nicht ganz dezentem Makeup. Was für die Europäerin unter Feministische Einschränkungen oder sogar Diskriminierung der Frau geht   wird in Kasachstan zelebriert, so gut als eben möglich. Der Absatz für Schönheitscremes, Lippenstift und Nagellack wird pro Frau wohl in keinem anderen Land so hoch sein. Und die Kasachinnnen tragen ihre Weiblichkeit gerne zur Schau. Wenn subjektiv das Makeup als leicht abgenützt wahrgenommen wird, dann muss gehandelt werden. Und wo sich Frau auch befindet – Spiegel raus, Lippenpomade drauf, Wangenpuder aufgepinselt, dann ein kritischer Blick oder ein bestätigender Blick einer Freundin und die Welt ist wieder in Ordnung.

Das grenzt oft an Akrobatik, im Autobus eine Hand an der Haltestange unsicherer Stand wegen der hohen Absätze, dann muss geschminkt werden.  Oder auch während der Arbeit. Ein Bankkunde wird erst bedient, wenn das Makeup stimmt. Im Gegensatz zu Europa geht auch eine Kasachin nicht ungeschminkt in den Bergen wandern.

Ein weiteres sehr wichtiges Accessoire ist der Fingernage. Da habe ich nun wirklich schon alles gesehen. Meistens mehrere Zentimerter lange künstliche Fingernägel, ein Wunder, dass da nicht grobe Verletzungen vorkommen. Ganze Bildchen kunstvoll darauf gemalt in den Modefarben Gold und Silber.

Bei der Kleidung muss auf jedem Kleidungsstück der Name eines berühmten Modehauses stehen : Dolce Gabbana, Louis Vuitton, Versace … Natürlich in riesigen Buchstaben, aus billigstem Metall sind diese Initialen auch auf jedem Frauengürtel,Handtasche,Sonnenbrille angebracht.

Das Alte Schulhaus, verfallen und innen total ausgehöhlt, ohne Dach und ein neues Gebäude fertiggestellt letzten Sommer an der Satpaeva, direkt neben dem Hayatt Hotel. Schade ist, dass die Stadt wenige von den sehr schönen alten Häusern aus den 20ern bis 40er Jahren renovieren lässt, denn Tendenz ist und bleibt abreissen,abreissen und nochmals abreissen. Trotz besserer Bausubstanz und wichtiger geschichtlicher Bedeutung vieler Gebäude aus der Zeit der Sowjetunion. – Auf die Fotos klicken für eine Ansicht in Originalgrösse.

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Eine Ambulanz nach Regenwetter auf Almatys Strassen. Ja, es ist Sonntag, darum herrscht kein Stau wie an jedem Wochentag. Es gibt alle Arten von Krankenwagen in Almaty. Oft steht noch der deutsche Schriftzug Ambulanz drauf, oder der Name des Spitals von dem sie ursprünglich stammen. Sie haben es wie eben schon erwähnt nur am Sonntag leicht, die Opfer des Strassenverkehrs oder anderen Unfällen aufzunehmen. Ansonsten kommen sie nicht vom Fleck. Und die Regel, welche in Europa üblich ist, der Ambulanz den Vortritt zu lassen, oder zumindest auf etwas auszuweichen existiert in Kasachstan nicht. Hier wird jeder Zentimeter im Strassenverkehr erkämpft, als ging es um alles oder nichts.

Mir gefallen diejenigen, von denen eine auf dem Foto zu sehen ist, die Russischen Krankenwagen schaffen jedes Gelände und sind auch bei Minustemperaturen einsatzbereit. Das Innere, wie ich mich selber schon einmal überzeugen konnte ist sehr spärlich ausgerüstet, nicht zu vergleichen mit den ganzen Notfallgeräten, die im Westen eingesetzt werden. Ach zum vorhergehenden Satz: Nein, ich   fuhr nicht mit, weil ich verletzt war.

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