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Meilen am Zürisee ist ein überschaubarer Ort. An der Goldküste gelegen scheinen viele derzeit auch Gold schürfen zu wollen. Ein gigantischer Bauboom hat dieses Jahr eingesetzt, überall stehen Krane herum und es werden Baugruben ausgehoben. Wie auf dem obigen Foto zu sehen auch an der Burgstrasse, leicht erhöht neben der Midor Fabrik und über der Dorffeuerwehr. Die Firma W.Schmied AG baut da eigenen Angaben zufolge 7 luxuriöse Null Energie Terrassewohnungen. Was die wohl kosten werden? Abnehmer scheinen im Moment zu finden zu sein, denn Immobilien sind die wohl sicherste Anlage, nebst dem schon erwähnten Gold.

Ein knapper Kilometer weiter Hangaufwärts mit kompletter Sicht über den See wurde erst kürzlich ein Haus im italienischen Stil gebaut. Über Geschmack lässt sich streiten aber eindrücklich ist schon, was da hingeklotzt wurde.


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Was in Meilen gut zu beobachten ist, das ist die Tatsache, dass viele dieser neuen Bauten auf Parzellen mit schon bestehenden Immobilien realisiert werden, denn Platz gibt es in diesen stark verbauten Seegemeinden fast keinen mehr. Es werden Gebäude aus den 60er und 70er Jahren oder Ältere angerissen, um den neuen Komplexen Platz zu machen.

Jetzt musste ich erst mal im Duden nachschauen, wie sich das Wort “zersiedeln” schreibt. Die dortige Definition:”zer ¦sie ¦deln ([die Natur] durch Siedlungen zerstören); ich zersied[e]le; Zer ¦sie ¦de ¦lung . Für mich persönlich ist das Phänemon einerseits verständlich, andererseits auch wieder nicht. Die Schweiz ist bekannterweise ein Land, in dem das Bauland ziemlich knapp ist.

Ich wohne in Zürich und fahre oft am rechten Seeufer, mit dem Zug lang. Da habe ich immer ein schnes Panorama auf eine der grössten Zersiedelungen der Schweiz. Die Seeufer des Zürichsees.

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Hier auf dem Foto, welches von der Webseite ak-ansichtskarten.de stammt, sehen Sie das Panorama von Meilen aus gesehen auf das linke Seeufer. Da ist noch ziemlich viel Grün zu erkennen.

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Auf diesem Bild sehen Sie dasselbe Seeufer auf einem Foto von der Webseite chief.ch, habe leider nach ausgiebiger Suche keine anderen Fotos mit einer guten Sicht auf die Verbauten Ufer gefunden. Ich finde dieses Zersiedlungs-phänomen etwas schade, denn nützen wird es weniger der Allgemeinheit, als den ImmobilienspekulantInnen.

Es gibt auch Ausnahmen am Zürichsee, die dieses Thema schon früh erkannt haben und etwas unternommen haben. 1955 wollten verschiedene Parteien auf dem Pfannenstiel Hotels bauen, was aber bei einer Gemeinsadeversammlung klar verhindert wurde, indem die Gemeinde grosse Liegenschaften gekauft hatte . Hier können Sie mehr nachlesen: Link

Warum es diese Zersiedelung gibt, das denke ich kann man sagen. Da steht sicher der Aspekt, jeder möchte sein Einfamilienhäuschen bauen und an bestmöglicher Lage im Zentrum. Zudem erhascht jeder Zersiedler auch einen individuellen Blick auf die Umwelt und ins Grüne, spätestens bis der nächste Zersiedeler kommt und sein Häuschen davorstellt. Ich frage mich auch, ob das nicht etwas unsinnig ist, bezüglich Infrastruktur und Versorgung. Denn jedes Häuschen braucht eine eigene Stromleitung, eine eigene Wasserleitung und eine eigene Strasse. Es wird also sehr viel vom doch ziemlich knappen Raum in der Schweiz zerstört.

Das Bundesgesetz über die Raumplanung aus dem Jahre 1979 sollte diesem Problem Herr werden. Hier ein Auszug aus dem Gesetz:

  • die natürlichen Lebensgrundlagen wie Boden, Luft, Wasser, Wald und die Landschaft zu schützen;
  • wohnliche Siedlungen und die räumlichen Voraussetzungen für die Wirtschaft zu schaffen und zu erhalten;
  • das soziale, wirtschaftliche und kulturelle Leben in den einzelnen Landesteilen zu fördern und auf eine angemessene Dezentralisation der Besiedlung und der Wirtschaft hinzuwirken;

Diese Punkte sollen das Ziel des Gesetzes ausformulieren. Im weiteren geht es dann darum, dass Bund, Kantone und Gemeinden gemeinsam Pläne erstellen und die verschiedenen Zonenverteilungen darin regeln. Naja, das Gesetz hört sich schön und gut an. Tatsächlich wird aber schön weiter zersiedelt.

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