Ich musste bei meiner ersten Begegnung mit dem Phänomen zweimal hinschauen. Bei Parkbänken bemerkte ich grosse Ansammlungen von Sonnenblumenkernen Hülsen. Ich fragte mich zuerst woher diese wohl stammen. Ob ein spezielles Eichhörnchen oder anderes Nagetier solche seltsamen Spuren hinterlässt.

In einem Park in Almaty sah ich dann Gruppen von jungen Kasachen, die genüsslich Sonnenblumenkerne aus kleinen Plastiktüten knabberten. Die Überreste rieselten dann auf den Asphalt und bildeten diese mir zuerst unerklärlichen Häufchen.

Immer wieder sehe ich nun vor allem in Parkanlagen oder nach einem Gespräch auf offener Strasse zwischen zwei Kasachen im Anschluss ein Häufchen Sonnenblumenkern Hülsen.

Selber wollte ich diese Tätigkeit einmal ausprobieren. Ich schaffte es aber anfänglich nicht, die Kerne zwischen Daumen und Zeigefinger aufzudrücken, sodass der Inhalt unverletzt blieb. Die Variante mit dem aufknacken unter Beihilfe der Zähne fruchtete bei mir schneller. Wenn man aber den Kasachen zuschaut, mit welcher Geschwindigkeit die Kerne aufgeknackt werden und anschliessend mit einer Schwungvollen Bewegung in den Mund befördert werden bekommt man einen natürlichen Respekt.

6 Kommentare
  1. Olga
    Olga sagte:

    Ja, Rafael ))
    ich bin es wieder. )) Wenn du meine Kommentare satt hast, sag’s einfach. )))

    Die “Semetschki” waren in den Sowjetzeiten verboten. Man durfte sie in den Staedten nicht knabbern oder verkaufen!!! Ich denke, sogar in manchen Doerfern achtete man darauf… Der Grund war natuerlich Muell und aestethischer “Eindruck”. Mit den Sowjets sind auch manche gute Regel Vergangenheit geworden. =((( Schade, eigentlich…

  2. R.Wiedenmeier
    R.Wiedenmeier sagte:

    @Olga: Im Gegenteil, ich finde deine Kommentare sehr gut und gerade solche Informationen helfen mir dabei, Dinge über die Sowjetunion zu erfahren, die mir sonst nur wenige erklären können. Zum Beispiel das mit den Semetschki, dass die verboten waren habe ich nicht gewusst, aber etwas Ähnliches vermutet.
    Einen nächsten Artikel werde ich einmal über das Verhältnis des Ex-Sowjeten (Kasachen) zum Thema Müll schreiben. Es scheint so, dass es früher auch verboten war Müll einfach auf die Strasse zu werfen. Das hat sich auch geändert (zynisch gemeint) :roll:

  3. R.Wiedenmeier
    R.Wiedenmeier sagte:

    @Die beiden Vorredner: Im Gegensatz zur sauberen Schweiz ist der Müll in Kasachstan noch sehr gut ersichtlich. Es soll aber meiner Meinung nach nicht heissen, dass das es in der Schweiz nur weil er nicht zu sehen ist weniger gibt. De Facto produziert der Westliche Bürger pro Kopf vermutlich massiv mehr. Ich versuch in einem der nächsten Artikel etwas die Situation in Kasachstan zu besagtem Thema zu schildern :razz:

  4. Olga
    Olga sagte:

    2 Rafael,

    Wenn man das Verhaeltnis der Kasachen (Kasachstaner oder auch anderer Voelker) zu dem Thema beschreiben will, kann man den Kollektivismus und seine Folgen nicht ausser Acht lassen.
    Anfang der Perestrojka (und auch bis heute) wurden die Folgen “sowjetischer” Erziehung (sprich “kollektiv” – nicht meins – und deswegen muss ich mich selber nicht kuemmern! Der Staat hat sogar Leute als “Individualisten” und “Egoisten” bestraft und verfolgt!) sehr oft diskutiert. Ich denke im Internet ist schon was zu dem Thema zu finden.

    Ich bin natuerlich nicht der Meinung, dass man ganze Verantwortung von sich selbst und nur auf Vergangenheit wegschieben darf.
    Umwandlungsprozess geht so langsam.
    Aber das ist keine Neuigkeit fuer mich, wenn ich sehe, wie in Europa in manchen Lagen vehaftetes altes Denken Stueck fuer Stueckchen mit so viel Muehe veraendert wird, dann denke ich, die Leute sind ueberall gleich: Sie moegen keine Veraenderungen.

    Viel Erfolg!
    :wink:

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